| Zürich, 2.-4. September 2010
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Biomedizinische Ethik der Universität Zürich
Medizinethische Konflikte müssen heute auch unter den Vorzeichen der Globalisierung verstanden werden. Unter welchen Umständen dürfen bei uns Gewebe implantiert werden, die aus Entwicklungs- und Schwellenländern stammen? Ist es moralisch zu rechtfertigen, eine Leihmutter aus den USA oder aus Indien zu rekrutieren? Welche moralischen Verpflichtungen entstehen mit der Verlagerung klinischer Studien in ressourcenarme Länder mit Blick auf den Zugang der Studienteilnehmer zum Gesundheitswesen? Wie soll eine Ärztin oder ein Arzt reagieren, wenn eine junge Migrantin um die Ausstellung eines Jungfräulichkeitszeugnises bittet, um ehefähig zu? Ist es gerecht, viel Geld für einzelne teure medizinische Behandlungen auszugeben, während gleichzeitig in anderen Teilen der Erde viele Menschen an leicht zu bekämpfenden Krankheiten sterben?
Diese und viele weitere Fragen werden durch die zunehmend intensivere internationale Interaktion aufgeworfen. Sie stellen konkrete, praktisch-normative Herausforderungen an ÄrztInnen und Pflegende, Mitglieder von Ethik-Kommissionen, biomedizinische ForscherInnen und GesundheitspolitikerInnen dar, welche nach adäquaten Lösungen auf Einzelfall- oder Richtlinienebene suchen müssen. Zugleich werden aber auch komplexe grundsätzliche Probleme berührt, so etwa die Frage nach einem universalen "kleinsten gemeinsamen Nenner" in der Medizinethik und der diesbezüglichen Rolle von Menschenrechten, nach dem angemessenen Umgang mit kultureller Differenz oder den Ansprüchen globaler Gerechtigkeit. |