| Nachwuchspreis Ethik in der Medizin an Bochumer Ärztin und Medizinethikerin verliehen
Wie hilfreich kann die öffentliche Meinung sein, um in einer medizinischen Frage zu einer ethischen Entscheidung zu kommen? Eine Studie über die Möglichkeit einer "evidenzbasierten Ethik"hat die Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) im Rahmen ihrer Jahrestagung am Donnerstag, dem 29. September 2011, in Göttingen mit ihrem Nachwuchspreis 2011 ausgezeichnet. Preisträgerin ist die Ärztin und Medizinethikerin Dr. Sabine Salloch vom Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum. Der Nachwuchspreis Ethik in der Medizin ist mit 2.500 Euro dotiert und wird jährlich vergeben. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aus dem Gesamtgebiet der Ethik in der Medizin.
DIE PRÄMIERTE STUDIE
Mehr als die Hälfte aller Deutschen sind dafür, die Tötung auf Verlangen zu legalisieren. Ist das öffentliche Votum auch ein Grund, Tötung auf Verlangen zuzulassen? Was bedeutet es für die Ethik, wenn die Mehrheit der Bevölkerung bereits bestimmte Ansichten zu einer Fragestellung hat? Welche Rolle spielt die Empirie (das, was ist) für normative Fragestellungen (also Fragen nach dem, was sein soll), die die Ethik auslotet?
In der klinischen Medizin gilt es als selbstverständlich, sich an den Ergebnissen empirischer Forschung zu orientieren. Ärzte sollen möglichst nur solche Behandlungen durchführen, deren Wirksamkeit empirisch nachgewiesen wurde. Studien an Tausenden von Patienten werden durchgeführt, um dafür Beweise zu erbringen. Man nennt dies "evidenzbasierte Medizin". - Aber kann es auch eine "evidenzbasierte Ethik" geben? Diese Frage hat die Trägerin des Nachwuchspreises 2011 der Akademie für Ethik in der Medizin untersucht.
In ihrer Studie kommt die Ärztin und Medizinethikerin Dr. Sabine Salloch vom Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum zu einem differenzierten Ergebnis: Ohne gute Kenntnisse des aktuellen medizinischen Forschungsstandes kann man keine guten ethischen Urteile in der Medizin fällen. Zugleich sollte aber berücksichtigt werden, dass die Empirie keinen Aufschluss über die Frage gibt, die in der Ethik so wichtig ist. Sie lautet: "Welche Ziele wollen wir unserem Handeln setzen?". Empirische Informationen haben daher für das medizinisch-klinische Urteil eine andere Bedeutung als für das ethische Urteil in der Medizin. Dr. Salloch zieht daraus den Schluss, dass die Analogie zwischen evidenzbasierter Medizin und "evidenzbasierter Ethik" irreführend ist.
DIE PREISTRÄGERIN
Dr. med. Sabine Salloch, M.A., hat Medizin und Philosophie in Marburg studiert. Sie ist approbierte Ärztin und arbeitet seit dem Jahr 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum in der interdisziplinären NRW-Nachwuchsforschergruppe "Medizinethik am Lebensende: Norm und Empirie". Ihre Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem medizinethische Fragen am Lebensende sowie Grundsatzfragen der angewandten Ethik. |