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AEM Jahrestagung 2019 - Call for Abstracts

Kategorie: AEM-Info, Allgemein

 

Kollektivität im Gesundheitswesen: Ethische Theorien und Praxisfelder von Gruppen als Akteuren

Göttingen, 26.-28. September 2019

 

Call for Abstracts

Vorträge — Poster — Workshops

In der aktuellen Medizin- und Pflegeethik steht üblicherweise das Individuum im Mittelpunkt. Der Fokus auf individuelle Interessen und Rechte wird vielfach als eine Errungenschaft der modernen Ethik und des modernen, liberalen Rechts angesehen. Diese Sichtweise verdeckt allerdings die ethische Bedeutung von Kollektiven, also Gruppen und Gemeinschaften, in Medizin und Gesundheitsversorgung. So agieren in unserem hochkomplexen Gesundheitswesen und gerade auf gesundheits- und biopolitischer Ebene vorrangig gesellschaftlich organisierte Gruppen.

Die Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin 2019 möchte sich sowohl aus theoretischer als auch praxisnaher Sicht dem vielschichtigen Thema der Kollektive und Kollektivakteure nähern. Unter Kollektiven sollen verschiedenste Gemeinschaften (Familien, Professionen, Religionsgruppen etc.) gefasst werden. Der Fokus soll dabei auf Kollektiven liegen, deren Handlungen und Stellungnahmen normative Geltung beanspruchen. Es soll zum einen geklärt werden, was kollektive Akteure ausmacht und wie kollektive moralische Ansprüche zustande kommen bzw. gerechtfertigt werden können. Zum anderen soll anhand ausgewählter Praxisfelder diskutiert werden, ob und in welcher Weise bisherige Ansätze in Theorie und Praxis einer Erweiterung um kollektive Perspektiven bedürfen.

Ziel der Tagung ist es, den interdisziplinären Austausch über die normative Bedeutung von kollektiven Akteuren im Gesundheitswesen zu befördern und damit verbundene Herausforderungen für Theorie und Praxis kritisch zu reflektieren. Dazu sollen, neben der ärztlichen und pflegerischen Praxis, wissenschaftliche Perspektiven, insbesondere der Ethik, Philosophie, Theologie, Medizin, Pflege- und Gesundheitswissenschaften, Soziologie, Politik-, Kultur- und Rechtswissenschaften, fruchtbar gemacht werden.

Die Jahrestagung 2019 will sich sowohl in Plenumsbeiträgen als auch Sektionsvorträgen u.a. folgenden Fragen widmen:

  • Was ist ein Kollektiv? Was unterscheidet z.B. Familien als Kollektive von einem Behandlungsteam oder dem Staat?
  • Welche theoretischen Ansätze, Konzepte und Methoden sind notwendig, um der ethischen Bedeutung der kollektiven Dimension gerecht zu werden (Kommunitarismus in der Medizinethik; Eingrenzung und Ausgrenzung)?
  • Welche ethischen Konflikte zwischen Individual- und Kollektivinteressen bestehen aktuell in medizinischer Versorgung bzw. im klinischen Alltag? Welche Lösungsansätze gibt es?
  • „Wir-Medizin“: Inwiefern sind Annahmen über Patienten als „Gruppe“ immanent in neuen Paradigmen wie evidenz-basierter oder stratifizierter Medizin enthalten? Wie definiert sich kollektive Verantwortung und wo kommt sie in medizin- und gesundheitsethischen Fragen zum Tragen? Welche Gruppen haben welche Art kollektiver Verantwortung?
  • Was ist kollektive Autonomie und wie müssen Entscheidungsprozesse in sozialen Gruppen konzipiert sein, um normativ als kollektive Sichtweisen zu gelten? Wo sind die Grenzen kollektiver Autonomie? Welche ethischen Ansprüche sind an die Repräsentation von Kollektiven anzulegen? Wer darf für ganze Gruppen sprechen?
  • Wie bewerten wir Gerechtigkeit zwischen Gruppen (z.B. Zugang bestimmter Gruppen zur Versorgung)? Welche Rolle sollte Solidarität mit Gruppen von Patienten spielen?

Eine ausführliche Fassung des Calls sowie Hinweise zur Einreichung von Abstracts sind abrufbar unter https://aem-online.de/index.php?id=42

Achtung geänderte Deadline: 31.01.2019.