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AG ethik learning: Aufruf zur Gründung

Kategorie: AEM-Info, Allgemein

 

AG ethik learning

Aufruf zur Gründung einer neuen Arbeitsgruppe in der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM)

Tobias Eichinger, Johannes Katsarov, Susanne Michl

Vor gut 15 Jahren wurde in Deutschland das Fach „Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“ als Querschnittsbereich in der Approbationsordnung verpflichtend für alle Medizinstudierenden festgeschrieben und hat sich seitdem fest in den medizinischen Curricula etabliert. Im Zuge der Reformbestrebungen für eine stärkere Kompetenzorientierung in der medizinischen Lehre haben ethische Inhalte in den letzten Jahren abermals Aufwind erhalten. Im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog der Medizin ist dem etwa ein eigenes Kapitel gewidmet. Ethik wird als einer der wichtigen Kompetenzbereiche definiert, die im Medizinstudium erschlossen werden sollen. Auch in der Schweiz ist die Vermittlung ethischer Kompetenzen seit 2008 im Lernzielkatalog für das Medizinstudium verankert. Daneben gewinnen Ethik-Unterricht und die Vermittlung entsprechender Kompetenzen auch in den Pflege- und anderen Gesundheitsberufe immer größere Bedeutung. So erhält die Ethik mit dem ab 2010 gültigen Pflegeberufegesetz einen zentralen Stellenwert in der pflegeberuflichen Bildung, dies auf allen Qualifikationsstufen. Gerade im Bereich der interprofessionellen Zusammenarbeit, der ebenfalls in den verschiedenen Curricula mehr und mehr Einzug erhält, sind (berufs-)ethische Fragen unausweichlich.

Mit dieser prominenten und zukunftsweisenden Rolle ergeben sich neue Herausforderungen für die Konzipierung und Umsetzung kompetenzbasierter Lernziele und innovativer Lehrformate bis hin zu geeigneten Assessments und Prüfungen.

Konkret beziehen sich diese Herausforderungen auf folgende Bereiche und Fragestellungen:

  • Worin genau bestehen die geforderten moralischen/ethischen Kompetenzen in der Medizin, der Pflege und anderen Gesundheitsberufen und wie vermittelt man diese? Welche Methoden und Ansätze gibt es und inwiefern führen sie zum Ziel?
  • Welche Materialien, Instrumente und Tools gibt es bereits, die zur Verbesserung der Ethik-Lehre beitragen können?
  • Welches Potenzial haben innovative Lehrformate wie e-Learning und Blended Learning gegenüber der klassischen Präsenzveranstaltung?
  • Wie verhalten sich Anforderungen interprofessioneller Lehre zu medizin- und pflegeethischen Lernzielen und welche Formen der Verschränkung bieten sich hier an?
  • In welchem Verhältnis stehen ethische zu anderen Kompetenzen (etwa kommunikative Kompetenz, digitale Kompetenz)?
  • Ist ethische Kompetenz prüfbar und wenn ja, wie? (OSCEs etc.

Die neu gegründete AG möchte engagierte Ethik-Lehrende in der Medizin, der Pflege und anderen Gesundheitsberufen zum Austausch über diese und ähnliche Fragen, insbesondere

über bereits bestehende Lehrformate und die Entwicklung neuer Konzepte zusammenbringen.

Wir laden alle Interessierten ein, sich mit kurzen Angaben (Hintergrund und Interesse am Thema) bei Tobias Eichinger eichinger(at)ethik.uzh.ch zu melden. Eine erste konstituierende Sitzung der Arbeitsgruppe „ethik learning“ wird im Frühjahr 2019 stattfinden. Der genaue Termin sowie Ort wird Ende Januar vereinbart.

Tobias Eichinger, Johannes Katsarov
Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte, Universität Zürich

Susanne Michl
Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Charité Universitätsmedizin Berlin